«Ich freue mich auf die verschiedenen Begegnungen»

Seit August ist Rosmarie Hubschmid die neue Betriebsleiterin im Familienzentrum «Karussell». Sie übernimmt ein lebendiges Haus mit einem breiten Angebot für Familien aus der Region. Wer ist Rosmarie Hubschmid, wo kommt sie her und wohin geht das «Karussell» mit ihr? Ein Gespräch über Werte, Herausforderungen und Kindheitserinnerungen.

Familienzentrum Karussell: Im August hast du die Leitung des Familienzentrums Karussell Region Baden (FZK) übernommen. Worauf freust du dich besonders?

Rosmarie Hubschmid: Auf die Begegnungen mit den Kindern und den Erwachsenen! Ich hatte in den drei Monaten Einarbeitungszeit bereits die Möglichkeit, einige Angebote kennenzulernen und begegnete manchen BesucherInnen und Kursleitenden. Auch freue ich mich auf die verschiedenen Aktivitäten und Anlässe, die im zweiten Halbjahr stattfinden: das Sommerfest, den Mobilitätstag, den Erlebnisnachmittag «Apfel» und die Adventszeit.

Wie siehst du das Familienzentrum?

Das Karussell ist ein Haus voller Leben, und diese Lebendigkeit gefällt mir sehr. Wir bieten jungen Familien einen Raum für Begegnung und Austausch. Ich sehe das FZK auch als Drehscheibe: Familien treffen sich, Kinder spielen miteinander, Elternbildungskurse finden in unserem Haus statt. Die breite Palette von Angeboten – von Gesprächsgruppe «Postnatale Depression» bis zur «Tavolata» – zeichnen das Familienzentrum aus.

Wie möchtest du das Familienzentrum prägen?

Mir ist es wichtig, dass das «Karussell» mit seinem breiten Angebot bei jungen Familien in der Region Baden bekannt ist. Und ich möchte, dass wir ein verlässlicher Partner für unsere BesucherInnen, die verschiedenen Akteure im Bereich Familie und die Politik sind.

Wo setzt du den Fokus?

Das Karussell hat einen guten Ruf, welcher vor allem Kathie Wiederkehr zuzuschreiben ist. Sie hat das Familienzentrum in den letzten Jahren dorthin geführt, wo es heute steht. Dazu werde ich Sorge tragen. Nun geht es darum, das Pilotprojekt in einen Regelbetrieb zu überführen. Wichtig ist mir dabei Beständiges zu etablieren und die Freiwilligenarbeit und unser Netzwerk weiter zu stärken.

Was sind Herausforderungen?

Eine Herausforderung wird sein, das «Karussell» zu konsolidieren. Die finanzielle Sicherstellung des FZK wird weiterhin einen hohen Stellenwert haben. Zusätzlich erlebt das Team personelle Veränderungen: eine neue Leitung, neue Kursleiterinnen und ab Herbst eine neue pädagogische Mitarbeiterin. Wir wollen in den nächsten Monaten die Zusammenarbeit im Team neu gestalten. Dabei kommt mir zu Gute, dass ich viel Erfahrung für solche Übergänge in sozialen Organisationen mitbringe.

Noch ein paar Fragen zu dir. Wie würdest du dich beschreiben?

Lebenslustig, spielerisch, gelassen, gradlinig, verlässlich, humorvoll, ehrlich-offen-klar, konfliktfähig und ein grosser Genussmensch. Zu Beginn bin ich eher zurückhaltend und beobachte, wie Menschen aufeinander zugehen. Diese Zurückhaltung legt sich mit der Zeit und ich bin direkter im Kontakt.

Das Schwerpunktthema für das zweite Halbjahr 2018 ist «Werte». Welche Werte sind dir wichtig?

Toleranz, Fairness und Gleichberechtigung aber auch Selbstvertrauen. Damit meine ich auch Vertrauen in die Selbstwirksamkeit. Ausserdem lege ich Wert auf Empathie und Freundlichkeit.

Kannst du noch etwas über deine Herkunft und deine berufliche Laufbahn erzählen?

Ich stamme aus einfachen Verhältnissen und bin in der Agglomeration von Basel aufgewachsen. Die Schulzeit habe ich in drei Kantonen absolviert. Das war für mich nicht einfach. Ich nehme davon eine hohe Flexibilität und Anpassungskompetenz an neue Situationen mit. 1980 zog ich nach Luzern und blieb dort bis 2005. Der Umzug in das eher konservative Luzern war eine grosse Veränderung für mich. Meine prägendste Schulzeit war die Diplommittelschule in Zug, eine Schule ohne Noten, mit Partizipation. Während dieser zweijährigen Schulzeit entdeckte ich, dass ich einen sozialen Beruf erlernen möchte. Mit 22 begann ich die Ausbildung zur Sozialarbeiterin. Das war die richtige Entscheidung.

Welches sind deine beruflichen Stationen?

Meine erste Stelle als Sozialarbeiterin war beim Lila-Bus in Zürich, ein Anlaufstelle für drogenkonsumierende, sich prostituierende Frauen. Später arbeitete ich beim Frauenhaus Luzern und bei der Aids-Hilfe Zürich. 2002 übernahm ich die Betriebsleitung des Frauenhauses beider Basel. Meine letzte Stelle vor dem «Karussell» war bei der FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration. Meine Tätigkeit im FZK bedeutet ein neuer Abschnitt in meinen Berufsleben: Nach 25 Jahren im Bereich Gewalt gegen Frauen war es für mich an der Zeit, dieses Thema hinter mir zu lassen.

Vom Frauenhaus zum Familienzentrum…

Ja! Beides sind Orte, wo sich Erwachsene und Kinder begegnen. Während meiner Frauenhauszeit habe ich vieles gesehen und gehört. Ich weiss, dass Familie Freud und Leid bedeuten kann und ich durfte erfahren, wie Frauen und Kinder in Krisenzeiten eine innere Kraft entwickeln, die von aussen nicht immer sichtbar ist. Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch der beste Experte seines Lebens ist. Das gilt genauso fürs Frauenhaus wie für das Familienzentrum. Ich biete gerne mein Wissen und meine Unterstützung an nach dem Leitsatz «Es führen viele Wege nach Rom».

Was ist deine erste Erinnerung als Kind? 

Ich war vor einigen Wochen im Basler Zoo. Als ich das neue Elefantengehege sah, erinnerte ich mich daran, wie wir als Kind auf den Elefanten reiten durften. Manchmal mussten wir ganz lange anstehen. Es gab eine Treppe, die man hochsteigen musste und dann wurde man auf den Elefantenrücken gesetzt. Ich hatte ein bisschen Angst, aber die Neugier war grösser und es war ein wunderbares Gefühl. Heute wird dies nicht mehr angeboten und das ist gut für die Elefanten. Mir bleibt diese schöne Erinnerung!

 

 

Rosmarie Hubschmid lebt zusammen mit ihrem Mann und einer alten Hundedame in Wohlen AG.